| „Komm so wie du bist“ |
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Als sich an einem Freitagabend im Dezember des Jahres 1991 drei Leute in einem Hamburger Wohnzimmer zum Beten trafen, ahnte wohl keiner von ihnen, was Gott aus ihrem gemütlichen Beisammensein machen würde. Tobi und Kuky waren auf Martins Einladung in seine Wohnung gekommen – sie kamen aus den Punk- und Rocker-Szenen Hamburgs. Alle drei hatten sich zuvor zwar Jesus zugewandt, hatten jedoch Probleme sich einer Gemeinde zugehörig zu fühlen – sie spürten, wie dort oft formelle Dinge im Vordergrund standen – ihren Glauben einschränkten und einsperrten. Sie wollten weg von den kirchlich entwickelten Theorien, wie man zu beten hat – warum sollte man mit Gott in einer anderen, unverständlichen und sperrigen, Sprache reden als man es mit seinem besten Kumpel tat? Warum ihm nicht persönlich und unmittelbar danken oder um etwas bitten? Wieso war es manchen Gemeinden und Kirchen so wichtig, was und wie man sich anzog? Kam es nicht Jesus vielmehr auf innere als auf äußere Werte an? Sie hatten die bittere Erfahrung gemacht, dass sie, weil sie nicht so aussahen oder sich so benahmen wie Otto Normalverbraucher, sie auch in christlichen Gemeinden enorme Schwierigkeiten bekamen. Die ersten Jesus Freaks wurden schnell Freunde – gemeinsame Erlebnisse mit Jesus schweißten sie zusammen. Mehr und mehr Leute kamen hinzu, Punks, Fixer, Alternative – viele öffneten erstmals ihr Inneres, räumten dort auf – ohne Hemmungen. Sie hatten jetzt nicht mehr das Gefühl, sich vor und für Jesus schämen zu müssen – erzählten begeistert anderen auf der Straße von ihm. Manche Schlicker empfanden die Atmosphäre als so ungezwungen und ehrlich, dass sie ihre Drogen wegwarfen oder verbrannten. Jeden Freitag-Abend lagen mehr Leute auf dem Teppich in Martins Wohnzimmer um zu beten. Nach zwei bis drei Monaten zählten sich fast 30 Leute zu den Jesus Freaks. Nach fünf Monaten war die Gruppe zu groß für ein Wohnzimmer, es wurde ein Raum in einer Anskar-Gemeinde gefunden. Man begann zu predigen, eine Lobpreis-Band entstand. Ein halbes Jahr später war auch dieser Raum zu eng geworden – man mietete ein Café im Hamburger Schanzenviertel, dort wo auch sehr viele Punks, Alternative, Freaks wohnen. Das Treffen, dem der Name „Jesus-Abhäng-Abend“ gegeben wurde, wuchs enorm. In diesem Café vergrößerte sich die Gruppe bis 1994 auf bis zu 200 Leute pro Abend. Die Jesus Freaks hatten enormen Zulauf, bei ihnen war, so die Überzeugung vieler, etwas anders. Die Kneipe „Gnlpswxydd“, die seit Juni 1994 betrieben wurde, wurde zum Treffpunkt, zum Forum der Bewegung – ihre Kirche war der „Marquee Club“. Man veranstaltete aufsehenerregende Aktionen, die den Passanten auf der Strasse zwischen Armani, Arbeitsamt und Aldi auf ungewöhnliche und frische Art von Jesus und seinem Wirken erzählten. Bei einer Veranstaltung wurde der Prediger beispielsweise zum Schein erschossen um danach aufzustehen und der verdutzten Zuhörerschaft etwas über den Tod und das ewige Leben, das Jesus für die Menschen bereit hält, zu erzählen. Mit ihren für viele schon an die Grenzen des guten Geschmacks stoßenden evangelistischen Aktionen erreichten die Jesus Freaks Hamburg mehr und mehr Menschen – regten zum Nachdenken an. Seit Frühjahr sendete man über den Offene Kanal Hamburg die Radiosendung „Freaks at the cross“. Mittlerweile hatte sich die ganze Sache schon zu einer Art Gemeinde, mit Predigten, Lobpreis, Taufen und sogar gelegentlichen Heiraten entwickelt, die sich aber trotzdem ihre offene, frische und informelle Weise behielt. Viele „Freaks“ aus den verschiedensten kulturellen Hintergründen entschieden sich hier ein neues Leben mit Jesus anzufangen – fern ab von Liturgien und verstaubten Ritualen. Man entwickelt sich aber nicht zu einer eigenbrötlerischen Jugendgruppe, sondern war auch offen für Einflüsse aus anderen Gemeinden, wie beispielsweise der amerikanischen Vineyard-Gemeinde oder der Anskar-Gemeinde. Auch in anderen Städten hatte man von diesen „nach Jesus-Verrückten“ aus Hamburg gehört und war begeistert von den Ereignissen und der Erweckung in Hamburg. In der mittelhessischen Kreisstadt Wetzlar gründete sich die zweite Jesus Freaks-Gruppe, auch hier wollten viele Leute Jesus erleben – auch hier wollte man alte, überkommene Traditionen ablegen und sich Gott so geben wie man war. Wenig später gab es auch Jesus Freaks in Berlin und Stendal. Als Dachorganisation der Gruppen wurde später Jesus Freaks International gegründet, um einen lebendigen Austausch und eine fruchtbringende Koordination der Gruppen zu ermöglichen. So entstand unter anderem die Idee, einmal im Jahr ein Festival zu veranstalten, auf der sich alle Jesus Freaks und jeder der sonst noch Lust hatte treffen konnten – das Freakstock war geboren. Freakstock ist das Open-Air-Festival der Jesus Freaks und aller anderen die kommen wollen. Der Kern des Freakstocks ist das Hauptseminar, das täglich ohne Nebenveranstaltungen stattfindet. Umrahmt wird dieses Angebot von zahlreichen Seminaren, einem umfangreichen Musikangebot christlicher Bands und vielen sonstigen Attraktionen. Ziel ist es, Nichtchristen mit Jesus bekannt zu machen und Christen zu ermutigen, den „guten Kampf des Glaubens“ zu kämpfen. Seit 1995 findet es nun statt und feierte in diesem Jahr sein zehntes Jubiläum – mit Rekordbesucherzahlen. Fast 7000 Menschen waren auf den Boxberg in Gotha/Thüringen gekommen um Jesus (zum ersten Mal oder aber tiefergehend) zu begegnen und zu feiern. Mittlerweile gibt es in eigentlicher jeder größeren Stadt der Republik eine Jesus Freak-Gruppe – insgesamt an die 80 Gruppen in Deutschland und auch einige in der Schweiz und in Österreich. Seitdem es die Jesus Freaks gibt haben viel Leute den auferstandenen und lebendigen Jesus kennen gelernt. Wir selbst sind durch Höhen und Tiefen gegangen. Der Weg mit Jesus, als Gruppe, Gemeinde, und Bewegung ist nicht einfach, erfordert immer wieder Umdenken und Veränderungen. Aber solange wir dazu bereit sind, und ums vom Heiligen Geist leiten lassen, wird es immer Weitergehen, und wir werden an das Ziel kommen was Gott für uns hat. |
| (C) Jesus Freaks Dillenburg 2004 |
| Quellenverzeichnis: |
| Michael Ackermann : Jesus Freaks; R. Brockhaus Verlag Wuppertal 1994 |
| Jesus Freaks International : Jesus Freaks, ten years after... R. Brockhaus Verlag Wuppertal 2001 |
| www.jesusfreaks.de |